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PayWhatYouCan im Marketing – Ein Erfahrungsbericht

Zwischen Vertrauen und Wirtschaftlichkeit: Meine Erfahrung mit Pay What You Can

Auf LinkedIn sah ich diesen Beitrag von Diana zu Pay What You Can. Mein erster Gedanke war: „Spannende Idee, erzeugt bei mir als Kundin zu viel Druck und Unsicherheit.“ Deswegen hatte ich in der Vergangenheit auch Angebote nicht in Anspruch genommen.

Doch aus einem kritischen Kommentar wurde ein Austausch mit Diana und ich bin ihrer Community beigetreten. Am Ende hat meine Neugier gesiegt und ich habe es einfach für mein neues Angebot „Marketingsparring für Selbstständige“ als Experiment bis Ende 2025 angesehen.

Erwartungen an ein Ergebnis hatte ich keine. Ich habe mich darauf eingelassen und wollte einfach wissen, was passiert.

Warum ich mich darauf eingelassen habe:

Pay What You Can bedeutet für mich

  • ein Abbau von finanziellen Barrieren sowie
  • mehr soziale Gerechtigkeit und Menschlichkeit
  • ein Eintritt in tieferes Vertrauen.

Als ethische Marketerin und auch aus meiner autistischen Perspektive sind mir Menschlichkeit und soziale Gerechtigkeit ein Herzensanliegen. Daher war es für mich absolut logisch mich dem zu öffnen und es auszuprobieren.

Aber natürlich geht es dabei vor allem um die praktische Umsetzung und Erfahrung. Denn als Selbstständige muss ich natürlich auch wirtschaftlich arbeiten.

Kann das funktionieren? Kann PWYC wirtschaftlich sein?

Dazu kann ich natürlich keine allgemeingültige Aussage geben. Aber ich möchte hier meine Erfahrungen teilen.

Mein Pay What You Can Angebot ist ein 1:1 Marketingsparring, das einmalig oder auch mehrmals gebucht werden kann. Es sind 75 Minuten, in denen ich mit meinen Kund*innen an einem konkreten Thema oder Problem arbeite. Das kann zum Beispiel eine Textoptimierung, die Optimierung einer Plattform oder Klarheit fürs Messaging sein.

Auf jeden Fall sind es Anliegen, die in einem Call geklärt werden können. Das ist also ein Angebot, was generell schon nicht der Umsatzbringer ist, wie eine Zusammenarbeit an größeren Projekten oder über Monate hinweg.

Ich denke, dass ich das hier in meiner Erfahrung zur Wirtschaftlichkeit hinzufügen und berücksichtigen muss.

Die Realität: Wenn Theorie auf Unsicherheit trifft

Ich bin also relativ spontan auf PWYC umgestiegen und habe meinem bereits vorhandenen Angebot den Preis „entzogen.“ Die Preisangabe auf meiner Website habe ich dabei einfach durch Pay What You Can ersetzt.

Es gab also auch keinen Richtwert und keine Preisspanne.

Der Plan war: Wir arbeiten 75 Minuten, danach entscheiden die Kund*innen frei über den Preis, den sie mir bezahlen möchten.

Das Problem: Meine ersten Kund*innen wussten, dass ich vorher einen festen Preis hatte. Also fragten sie am Ende, auch aus Unsicherheit, was ich denn früher verlangt habe.

Da ich selbst am Anfang stand und unsicher war, habe ich ihn genannt.

Das Ergebnis: 90% zahlten genau diesen Preis. Die anderen, die weniger zahlen konnten, bekamen ein schlechtes Gewissen. Das war das Gegenteil von dem, was ich wollte.

Also kam ich zu dem Punkt:

Glaubenssätze sprengen und Grenzen setzen

Dieses Experiment hat einige Unsicherheiten und Glaubenssätze zu Geld hochgespült – bei mir und bei meinen Kund*innen. Doch ich kam zu der Erkenntnis, die aus meinem tiefsten Inneren hervorstieg und mich befreit hat:

„Ich bin nicht für die Geldthemen meiner Kund*innen verantwortlich!“

Das gilt natürlich immer, unabhängig vom Preis, aber ohne PWYC wäre ich da vermutlich nicht so schnell hingekommen. Seitdem nenne ich auch keinen Preis mehr und bin voll und ganz im Einklang damit.

Ich mache ethisches Marketing, bin also bei allem transparent und meine Kund*innen wissen, worauf sie sich einlassen. Dann erfülle ich bestmöglich meinen Teil des Sparrings und übergebe mit gutem Gewissen die Verantwortung für die Preissetzung an mein Gegenüber.

Was sich seitdem verändert hat:

  • Keine Preis-Fragen mehr: Seit ich die Grenze für mich gesetzt habe, keinen Preis mehr zu nennen, hat interessanterweise auch niemand mehr gefragt.
  • Unterstützung statt Druck: Nach dem Call sende ich eine E-Mail mit meinen Bankdaten und Fragen, die bei der Preisfindung helfen.
  • Wirtschaftlichkeit: Ich bekomme teilweise mehr als meinen ursprünglichen festen Preis. Ich würde aber sagen, dass es sich am Ende ausgleicht und ich im Durchschnitt meinen ursprünglich gesetzten Preis erhalte.
  • Dankbarkeit: Kund*innen sind dankbar und alle wertschätzend. Besonders diejenigen, die gerade wenig Budget haben, sind dankbar für den Support ohne schlechtes Gewissen. Und ich bin ebenfalls unglaublich dankbar für das, was mir meine Kund*innen freiwillig bezahlen.

Ich habe nicht eine schlechte Erfahrung gemacht und mich immer wertgeschätzt gefühlt.

Kurz und knapp: Ich kam von Zweifeln und Unsicherheit ins Vertrauen und zu: Lass sie zahlen, was sie wollen.

Dadurch habe auch ich viel mehr Leichtigkeit, Freiheit und Vertrauen bei dem Thema Geld bekommen.

So sieht heute der Prozess konkret aus:

Damit das Modell für beide Seiten entspannt und klar bleibt, habe ich einen klaren Prozess, der die Unsicherheit nimmt:

  1. Die Buchung: Interessierte buchen ihren Termin ganz regulär über meinen Kalender – ohne Preisangabe, aber mit Transparenz zum Angebot. Sie haben also die Info und wissen, dass es sich um PWYC handelt.
  2. Das Sparring: Wir arbeiten 75 Minuten intensiv an dem konkreten Thema. Der Preis spielt in dieser Zeit keine Rolle.
  3. Übergabe: Am Ende des Calls übergebe ich die Verantwortung für eine Bezahlung an mein Gegenüber und wir verabschieden uns.
  4. Die Follow-up-E-Mail: Nach dem Sparring sende ich eine E-Mail mit meinen Bankdaten und Reflexionsfragen zur Preisfindung. Zum Beispiel: Was fühlt sich fair für mich und die Anbieterin an?
  5. Entscheidung & Abschluss: Meine Kund*innen entscheiden in Ruhe, welcher Betrag sich für sie stimmig und fair anfühlt. Entweder sie schreiben mir den Betrag oder überweisen ihn einfach.

    Zum Abschluss folgt eine ordentliche Rechnung meinerseits.

Mein Fazit: PWYC-Angebote können funktionieren.

PWYC kann auf jeden Fall befreiend sein und wirtschaftlich funktionieren. Es ist ein menschlicher Ansatz, der natürlich für beide Seiten fair sein muss. Dabei sind Klarheit und Transparenz beim Angebot und dem Prozess wichtig. Genauso wie eine Vertrauensbasis und die Möglichkeit für einen offenen, ehrlichen und wertschätzenden Austausch, auch bei Geldthemen.

Und all meine Kund*innen haben mich wertschätzend bezahlt. Ich habe bisher nicht eine schlechte Erfahrung gemacht oder das Gefühl gehabt, jemand hätte mein Angebot ausgenutzt.

Das wichtigste Learning für mich war tatsächlich der Mindset-Shift: Ich bin nicht für die Geldthemen oder Unsicherheiten zu Geld bei meinen Kund*innen verantwortlich.

Für mich ist es das perfekte PWYC-Angebot. Es macht mir super viel Spaß und meine Kund*innen sind ebenfalls glücklich damit und dankbar dafür.

Pay What You Can kann zukunftsfähig sein und finanzielle Barrieren abbauen, ohne für Anbieter*innen welche zu erschaffen.

Über die Autorin:

Andrea ist neurodivergente, ethische Marketerin für Menschen, die im Marketing einen neuen Weg gehen wollen. Sie unterstützt Selbstständige dabei, aus ihrer eigenen Wahrheit ein Messaging und stimmiges Content-Marketing zu erschaffen, das ohne Druck und laute Strategien auskommt. Für Marketing, das nicht überredet, sondern echte Verbindung zu wahren Wunschkund*innen aufbaut – im Einklang mit der eigenen Energie.

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